"Ich mache Kunst für das innere Kind und die anderen Kinder, die nicht erwachsen werden wollen oder können". Helena Randerborgs Kunstobjekte sind spontane Momentaufnahmen, der Wunsch das Jetzt und vielleicht auch sich selbst festzuhalten. Ihre Kunst soll berühren und berührt werden, so wie sie von Kindern ganz ohne Scheu angenommen wird. In ihren Arbeiten thematisiert die Künstlerin Zusammenhänge zwischen Individuen, zwischenmenschlichen Beziehungen und gesellschaftlichen Verhältnissen. Ihre Figuren verschmelzen oft zu einem Objekt, Grenzen werden aufgelöst und das Ich verschwindet. Die Verantwortung gegenüber dem Anderen führt beinahe zur Selbstaufgabe und stellt unweigerlich die Frage, wie eng oder getrennt man in einer Beziehung ist oder sein soll. Wer bin ich? Was soll ich? Manche Figuren wirken zerrissen, zerrend winden sie sich in alle Richtungen. Einer Norm entsprechen wollend erscheinen sie verloren und unstet. Sie veranschaulichen Identitätsverlust, die Entwurzelung des Individuums und die mühsame Suche nach unzerstörbar geltenden Grundsätzen zur Messung des Eigenwertes abseits von Vermögen, Position und Härte. Welchen scheinbaren oder offensichtlichen gesellschaftlichen Konventionen ordne ich mich unter, wie weit kann ich mich verbiegen oder wie mutig bin ich, um meinen eigenen Bedürfnissen zu folgen, dies sind zentrale Fragen der Künstlerin. Einige Tonarbeiten und Malereien erwecken den Eindruck der Flucht, sie scheinen vor sich selbst fliehen zu wollen. Dem Gegendruck nicht standhalten könnend rutscht eine Hand vom Gemälde oder fehlt die Bodenhaftung. Randerborgs eigene Familiengeschichte könnte hier zum Ausdruck kommen. Selbst vor einigen Jahren aus Schweden nach Österreich ausgewandert, wanderten die meisten anderen von ihren Vorfahren, mütterliche wie väterliche Seite, aus ihren jeweiligen Ländern aus oder wahren gezwungen zu fliehen. Ein weiteres Sujet im Schaffen der Künstlerin ist die Auseinandersetzung mit Tod und Abschied. Die erdigen, schweren Objekte geben Halt und Beständigkeit, beinahe tröstlich sollen sie Ängste ob der eigenen Endlichkeit beschwichtigen. Helena Randerborg erachtet Sterblichkeit als eines der größten gesellschaftlichen Tabus, welches unter anderem in der gegenwärtig unleugbaren Verherrlichung der Jugend und der perfekten Hülle zum Ausdruck kommt, einem Wahn gleich wird Jugend zum Fetisch erhoben. Viktor Hugo meinte, Kunst sei Mut, und laut Bertolt Brecht solle Kunst gar zu einer Waffe im Kampf gegen Elend und Ausbeutung dienen. Vermag Kunst auch nicht alles Übel auszulöschen, so kann sie sehr wohl Bewusstsein schaffen. Dieser Auffassung entsprechen auch die Arbeiten von Helena Randerborg.